Unsere Arbeitswoche in Peru

Montag ist der erste von zwei Porongotagen. Vormittags waschen wir unsere Wäsche und räumen in der Wohnung auf. Für das Wäschewaschen setzen wir schon beim Frühstück einen Topf Wasser auf, damit wir warmes Wasser haben. Aus der Leitung kommt nur kaltes Wasser. Einen guten Wasserkocher haben wir noch nicht und der kleine Tauchsieder von Adrian ist nicht für solche Mengen gedacht. Bisher sind wir danach immer zu Christa zum Essen gefahren und ich hatte noch Sprachkurs. Jetzt geht nur noch Adrian zum Essen, ich bleibe auf dem Hof, da ich keinen Sprachkurs mehr habe und mache mir eine Kleinigkeit zu essen. Nachmittags arbeiten wir dann auf dem Hof. Im Moment heißt das in der Wohnung weitermachen. Heute haben wir noch einen Eimer weiße Farbe gekauft, einen Eimer Elfenbeinfarbe haben wir noch. Das sollte reichen um die Decken in Küche, Flur und Bad, sowie den Flur zu streichen. Was auch noch ansteht sind die Fenster. Die Holzrahmen müssten mal abgeschliffen und neu gestrichen werden.Die Löcher im Boden wurden gestern mit Zement aufgefüllt.

Dienstags und mittwochs sieht unser Tag folgendermaßen aus: wir stehen kurz nach sieben auf, frühstücken und verlassen gegen viertel nach acht den Hof. Mit dem Kombi fahren wir nach Cajamarca und steigen dort in einen Kombi oder einen Bus nach Jesús. Manchmal müssen wir warten bis der Bus losfährt, da sie warten, bis er voll ist. In der Regel fährt aber so alle 20 Minuten ein Bus. Die Fahrzeit von Cajamarca nach Jesus beträgt so zwischen 30 und 45 Minuten. In Jesús sind in den letzten paar Wochen nie mehr 5 Kinder und es ist eigentlich jedes Mal eine Überraschung wer kommt und wer nicht. Juan-Carlos ist immer da. Susana und ihr Bruder Wiliam (Willo) sowie Melky und Josue sind auch oft da, aber eben nicht immer. Mona kommt auch öfters. Diese Woche war auch noch Irvin da. Eigentlich gibt es noch mehr Kinder, die angemeldet sind, aber sie kommen nur selten, da sie einen zu weiten Schulweg haben. In der Schule, die bis etwa 12 Uhr geht, lernen die Kids hauptsächlich Farben und üben ihre Motorik und Konzentration, in dem sie mit verschiedenen Farben Linien nachfahren, Figuren ausmalen oder mit der Schere Linien entlangschneiden müssen. Es gibt auch Aufgaben, bei denen sie buntes Papier auf Figuren kleben. Zwischen den Aufgaben gibt es eine Pause, in der wir mit ihnen draußen spielen und sie was essen. Meistens haben sie Kekse, Mandarinen, kleine Saftdrinks, Süßigkeiten oder etwas in der Richtung mit. Dementsprechend sehen auch jetzt schon ihre Zähne aus. Mit Chela fahren wir um 12 wieder zurück. Die Heimfahrt dauert meistens etwas länger, da der Kombi langsamer fährt. Adrian ist dann bei Christa und ich gehe ins Internet oder telefoniere bei Gelegenheit. Bis Christa wieder kommt hat Adrian noch Sprachkurs und ich gehe zwischen halb drei und drei ins Heim. Dienstags wollen wir acht Freiwilligen jetzt abwechselnd kleine Projekte mit einer Gruppe von Kindern machen, damit etwas Leben in den Nachmittag kommt. Miriam hat beispielsweise diese Woche mit ein paar Kinder Salzteig gemacht und Figuren gebastelt. Solche Sachen oder einfach nur verschiedene Spiele oder Malen wollen wir machen. Mittwochs fahre ich immer kurz vor halb drei los ins Heim, da wir mit ein paar Kids ins Schwimmbad laufen und wir deswegen nicht so spät los wollen. Wir kommen mittwochmittags immer umsonst rein und können das warme Wasser aus den heißen Quellen hier geniesen. Wenn Julio, der Physiotherapeut mitkommt, macht er einige Anwendungen mit ihnen, sodass derjenige, der auf das Kind aufpasst und es hebt, eine kleine Pause hat. Wir nehmen immer jeder ein Kind, da wir es aufgrund der Behinderungen die ganze Zeit halten müssen. Wenn noch eine Madre mitkommt und wir genug Freiwillige sind können auch noch zusätzlich Kinder mit, die selbstständiger sind, wie zum Beispiel Rude, die Blinden und die Gehörlosen. Grundsätzlich muss aber immer die Obermadre ihr OK geben. Gestern war ich mit Katrin, Christina und Miriam alleine ohne Julio oder Madre im Schwimmbad. Wir durften Rude, den blinden Diego, Iovana, deren Gliedmaßen missgebildet sind und den tauben Henry mitnehmen. Um fünf müssen wir aber zum Essen wieder zurücksein. Dann füttern wir die Kids, die nicht selbstständig essen können und hinterher helfen wir bei der Pflege, bringen sie ins Bett und spielen mit den Älteren, die länger aufbleiben dürfen. Zwischen sieben und halb acht verlassen wir dann das Heim.

Donnerstag ist wieder Porongotag. Wir räumen auf, was so liegen geblieben ist und arbeiten ansonsten auf dem Hof. Wenn die Wohnung fertig ist und wir umgezogen sind, werden wir den einen Hasenstall saubermachen und dort so gut es geht alles aus dem Deposito reinräumen. Christa wollte den großen Raum freihaben. Für was genau weiß ich nicht. Aber man könnte ihn auch bei schlechtem Wetter nutzen, wenn man mit den Kinder auf dem Porongo ist.

Freitags hat Adrian im Moment noch morgens Sprachkurs und ich fahre allein nach Jesús. Mittags fahren wir mit einigen Kinder vom Heim auf den Porongo. Bis letzte Woche ist immer Armin gefahren, letzte Woche wollte die Obermadre uns, also Adrian und mich, nicht mit dem großen Auto fahren lassen, deshalb sind wir mit den Gehörlosen, Diego und ein paar Anderen gelaufen. Weit ist es nicht vielleicht 10-15 Minuten mit den Kids, etwas schneller ohne sie. Auf dem Hof reitet Tamina mit denen, die Lust haben, auf dem Pferd, das Armin zu diesem Zweck während seinem Jahr eingeritten hat, es gibt eine Wippe, zwei Schaukeln und den Gemüsegarten, den Armin und Jörg mit den Kinder angelegt haben. Die Gehörlosen fahren immer mit unseren Rädern auf dem Hof herum. Zum Essen sind wir wieder im Heim und der Rest vom Abend läuft in etwa so ab wie die anderen auch.

So sieht unsere Arbeitswoche aus. Bei Gelegenheit werden meine Bilder in der nächsten Zeit Beschreibungen erhalten, zumindest die, auf denen Kinder aus Jesús und dem Heim zu sehen sind, damit ihr wisst, von wem wir in unseren Berichten reden.

Eine Antwort zu „Unsere Arbeitswoche in Peru“

  1. Jürgen Teigeler (Jorge) Sagt:

    Hallo Tim,
    es ist zwar schon November und ich habe erst jetzt Deinen Bericht vom Oktober gelesen, dafür aber die Bilder vom 6.11. schon angeschaut. Vielleicht schaffe ich es, auf meiner web.de-site auch mal welche einzustellen. Nur wusste ich bislang nicht, wer in aller Welt sich wohl dafür interessieren könnte. Nur soviel: Dieses Jahr war der herbst mit seinen Farben in den Wädern und Weinbergen phantastisch!
    Aus den Erzählungen, die Du machst, erkenne ich, dass Euer Tag gut ausgefüllt ist. Das Lebenstempo ist ja in Südamerika anders. Schade, dass ich Euch nicht einmal einen oder gar mehrere Tage begleiten kann. Es sind bei mir gerade einige Verpflichtungen, die mich hier festnageln.
    Wir haben hier Novemberwetter, dh. viele graue Tage und wenig Sonne, das richtige Wetter, um in Südamerika zu sein!!
    Lass Dich herzlich aus dem Kraichgau grüßen!
    Jürgen Teigeler


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