Wir lassen mal wieder von uns hoeren…

Jetzt, wo fast 3 Monate vergangen sind und wir in dieser Zeit nur eifrig Bilder hochgeladen haben, aber sonst kein Lebenszeichen von uns gegeben haben, setze ich mich endlich mal hin und schreibe, was wir in dieser Zeit alles erlebt haben. Ich schreibe ersteinmal drauflos und deshalb wird es wohl auch nicht unbedingt chronologisch erscheinen. Spaeter schreibe ich dann noch zu jedem meiner Fotoalben bei Flickr, was wir da gemacht und erlebt haben.

Zuerst mal ueber unsere Arbeit. Wir gehen immer noch dreimal in der Woche nach Jesús und arbeiten ansonsten bis auf freitagnachmittags, wenn wir die Kinder zu uns holen, auf dem Porongo. Wobei wir dann ja auch auf dem Porongo sind, zumindestens solange bis wir wieder mit den Kids zum Abendessen zurueck muessen :-) Die Arbeit macht uns immer noch einen riesen Spass, vorallem, da sich unser Spanisch schon soweit verbessert hat, dass wir doch eigentlich alles verstehen. Wenn das Sprechen dann bald noch genausogut klappt wie das Verstehen, dann haben wir schonmal eines unserer Hauptziele, die Sprache, erreicht. Auch die anderen Ziele, das Kennenlernen von Land und Leuten, eine neue Sichtweise auf unser Leben und auf alles was damit zusammenhaengt zu bekommen, haben wir schon fast erreicht. Spaetestens wenn wir Mitte Februar aus unserem Urlaub zurueckkehren, duerfte wir da ziemlich weit sein. Danach gilt es nur noch weitere Erfahrungen zu sammeln.

Da meine Bilder eigentlich ganz gut dokumentieren, was ich so erlebe, da ich die Kamera fast ueberall dabeihabe, schreibe ich nun einfach mal zu jedem Album, was man da sehen kann und was wir gemacht haben.

2008_10_07 Erstkommunion und Taufe:

Ein Fest in den Bergen in der Nähe von Jesús. Wir sind mit Melva, der Direktorin und Lehrerin der Behindertenschule in Jesús, mit Chela, der Hilfslehrerin, und drei Bekannten von Melva aus Jesús in deren VW Käfer dorthingefahren. Zu siebt in einem VW Käfer… Zu siebt in einem Toyota Corolla ist es ja schon eng, wenn wir im Sammeltaxi abends nach Hause fahren müssen, wenn es keine Busse mehr gibt. Wir haben uns den Gottesdienst angeschaut, eine Kombination von Erstkommunion und Taufe einiger Kinder. Anschließend waren wir zum Essen eingeladen. Es gab Cuy (Meerschweinchen) mit Kartoffeln und Reis, ein typisches Gericht für die Gegend hier. Warum wir eigentlich dorthingefahren sind, wissen wir nicht. Zurückfahren konnten Adrian, Chela und ich beim Pfarrer. Adrian, zwei Peruaner und ich saßen hinten auf der Ladefläche der Camioneta und Chela mit einer anderen Frau, dem Pfarrer und den Messdienern innen. Wir hatten noch nicht mal die Hälfte der Strecke nach Cajamarca zurückgelegt, als es angefangen hat zu schütten wie aus Eimern. Wir konnten uns dann mit einer großen Plastikplane etwas schützen, waren aber froh in Jesús innen reinsitzen zu können. Der Pfarrer hat uns dann noch bis nach Cajamarca gefahren.

2008_10_13 Umzug in Cajamarca:

Anlässlich des Jubiläums der Behindertenschule in Cajamarca gab es einen großen Umzug durch die Innenstadt, bei dem auch wir mit den Kids von Jesús hinten mitgelaufen sind. War mal ganz interessant zu sehen, wie so ein Umzug abläuft. Ich weiß nicht, ob er angemeldet war, aber zumindest blockiert man mit seinem Umzug einfach die Straßen und kümmert sich nicht um den Stau, den man verursacht. Wir sind eine Weile durch die Straßen und ein paar Mal um den Plaza de Armas gelaufen und anschließend gab es für alle Chicha Morrada, das (nichtalkoholische) Nationalgetränk aus einer dunkeln Maissorte, und Thunfischbrötchen.

2008_10_15 Dia Nacional de la Discapacidad:

Wie der Name schon sagt der Tag der Behinderung. Im Rathaus von Jesús gab es ein Fest, bei dem ein Kurzfilm über Toni Melendez gezeigt wurde, der wie Rude keine Arme hat, aber mit seinen Füßen grandios Gitarre spielt, ganze Stadien füllt und auch schon vor Papst Johannes Paul II in Los Angeles gespielt hat. Dann wurde viel geredet und währenddessen Getränke und Süßigkeiten verteilt. Am Ende gab es eine Art Tombola, bei der unter den anwesenden Behinderten Geschenkpakete mit Lebensmitteln verlost wurden. Eine Gruppe Schüler spielte ein kleines Theaterstück zum Thema Umgang mit Behinderten und zwei Schüler trugen Gedichte vor. Ich fand, dass alles etwas zu sehr auf körperliche Behinderungen fixiert war. Geistige Behinderungen waren irgendwie nicht das Thema. Als der Teil im Rathaus vorbei war, sind alle zum Cuyessen eingeladen gewesen, da der Bürgermeister an diesem Tag auch noch Geburtstag hatte. Am Abend war in der Behindertenschule in Cajamarca ein Festprogramm im eigenen Theater. In der ganzen Woche gab es jeden Tag etwas anlässlich des Jubiläums. Es wurden Tänze, Lieder und kleine Theaterstücke aufgeführt. Ziemlich typisch peruanisch hat die ganze Veranstaltung 1 Stunde zu spät angefangen und ich habe alles für die Schule gefilmt. Verspätungen von einer Stunde sind aber noch normal und werden kaum wahrgenommen. Kommt man zu einer Verabredung mal eine halbe Stunde zu spät, fällt das kaum auf, da man meistens nichteinmal der letzte ist. Ich hoffe, dass ich mir diese Einstellung nicht zu sehr aneigne und sie in Deutschland kaum wieder losbekomme. Ich versuche zumindest immer pünktlich zu sein. Meistens habe ich dann aber Pech mit den Bussen oder Taxen und es verzögert sich doch alles ein wenig. Früher loszugehen lohnt sich aber nicht, da man sonst nur auf die anderen warten muss :-) Als das Programm in der Schule vorbei war, sind wir noch zu der Geburtstagsfeier des Bürgermeisters von Jesús gefahren, die aber glücklicherweise in Cajamarca stattfand. Nach ein paar Bierchen sind Adrian und ich aber dann ziemlich müde heimgefahren. Man wollte uns gar nicht gehen lassen und wir wurden die ganze Zeit zum Tanzen aufgefordert. Wir sind halt doch unübersehbar Gringos und etwas Besonderes hier. Adrian und ich werden auf der Straße immer wieder angesprochen und gefragt, ob man sich mit uns fotografieren darf. Meistens sind das Grüppchen von Mädels. Wenn sie uns nicht nach einem Foto fragen, wird uns zumindest immer noch hinterhergeschaut und oft kommt dann auch noch ein „Hello“ und noch irgendwas auf englisch hinterher. Eine lustige Geschichte ist die, als wir von 4 Mädels um ein Foto gebeten wurden, wir grinsend zustimmten und ich nach 10 Sekunden erst noch fragen musste, wer denn das Foto macht, da sich alle schon um uns herum aufgestellt hatten. Zwei haben sich dann erbarmt und abwechselnd ein Bild gemacht :)

2008_10_18 Camping am Cumbe Mayo:

Fast alle sind von Cajamarca bis zum Cumbe Mayo gelaufen, so etwa 5 Stunden, bis wir an unserem Zeltplatz ankamen. Ich hatte meinen ganzen Rucksack mit Zelt, Schlafsack, Ersatzklamotten und Verpflegung dabei. Da aber drei im Taxi gefahren sind und da noch fast alle Rucksäcke reingepasst haben, konnte ich mich mit Adrian und Edwin, einem peruanischen Freund mit dem Tragen abwechseln. Ich war die Tage davor ziemlich erkältet und bin auch zwei Tage zuhause geblieben, damit ich mitkonnte. 5 Stunden bergauf bei kaltem Wind war aber so angeschlagen schon ziemlich schwer und ich habe mich nicht wirklich gut gefühlt. In der Abenddämmerung kurz nach sechs Uhr haben wir eine geeignete Stelle zum Campen gefunden. Bei Campesinos kauften wir Feuerholz, doch es dauerte eine Weile bis das Feuer brannte. Wir hatten Zeitungspapier vergessen und wir hatten nur trockenes aber schon klammes Gras und Klopapier. Sauerstoff ist auf 3000 Meter ja auch schon Mangelware. Aber nach einer Weile brannte es dann und wir konnten unsere Würstchen und die Hühnchenbrust grillen. Dazu gab es Kartoffelsalat, Brötchen und Mayo. Super lecker, auch wenn die Würstchen hier nicht so ganz das sind, was man aus Deutschland gewohnt ist. Das geht hier eher so in Richtung Hot-Dog-Würste. War haben den ganzen Abend bis in den frühen Morgen Musik gemacht und Lagerfeuerspiele gespielt. Am nächsten Morgen, war richtig schönes Wetter und wir sind auf den Felsen rumgeklettert und haben uns in die Sonne gelegt. Dann wurde abgebaut, aufgeräumt und noch eine Runde Football gespielt. Zur Straße sind wir gelaufen und die Hälfte von uns ist auch weiter bis nach Cajamarca gelaufen. Wir anderen haben gewartet und wollten mit einem Combi zurückfahren. Die waren aber alle zu voll für uns alle. Zum Glück starteten von dort, wo wir warteten Downhill-Biker zu einem Wettbewerb und wir konnten schließlich mit der Camioneta, die die Räder und Biker hochgefahren hatte, zurück nach Cajamarca fahren für ein paar Soles. Adrian und ich waren kaum auf dem Porongo, als wir schon wieder los Richtung Jesús gefahren sind. Ein Stück nach Cajamarca fand ein nationales Motocrossrennen statt. Wir trafen uns dort mit Chelas Schwester Mari und ihrer Cousine Angie. Leider war aber schon fast das ganze Rennen vorbei. Was wir gesehen haben, war trotzdem beeindruckend und wahrscheinlich nicht das letzte Rennen, das wir in Cajamarca gesehen haben werden. Wir sahen uns zusammen die Siegerehrung an bei ein paar Bierchen mit dem Bruder von Angie und zwei Freunden von ihm. Mit dem Taxi ging es wieder zurück nach Cajamarca.

2008_11_06 Ventanillas de Otuzco:

Der Nachbar von Adrian war zu Besuch in Perú und auf Rundreise mit einem alten Schulkamerad, der in Lima arbeitet. Für zwei Tage war auch Station in Cajamarca und zusammen sind wir nach Otuzco gefahren, wo die Menschen, die noch vor den Incas hier lebten, in Felshöhlen die Knochen ihrer Toten bestatteten, nachdem sie diese aus den Erdgräbern wieder ausgegraben hatten, als alles Gewebe verwest war. Die Führung war ganz interessant, es gibt auch Höhlen in denen die Knochen von 11 bzw. 13 Menschen beigesetzt wurden. Das Gestein ist Vulkanischen Ursprungs und stammt aus der Zeit als der Kontinent entstand. Abends haben wir uns nochmal in Cajamarca getroffen und zusammen eine Kleinigkeit gegessen.

2008_11_22+23 Katuwira – Pimentel – Chiclayo:

Über Wochenende fuhren wir mit den anderen Freiwilligen nach Chiclayo ans Meer zum Wellensurfen und Sonnen, da in Cajamarca das Wetter ziemlich regnerisch war. Die anderen waren alle schonmal dort und Adrian und ich haben uns auf das Wochenende schon gefreut. So um die 120 Soles hat das ganze Wochenende inclusive An- und Abreise, Miete für das Surfbrett, Unterkunft und Vollverpflegung gekostet. Etwa 30 Euro. Das Wetter war super, die Wellen ganz gut hoch und das Wasser aufgrund des Humboldt-Stroms arschkalt. Lediglich die Millionen Fliegen in der Anlage und Adrians Sonnenstich trübten das Wochenende ein bisschen. Sonntagabend bin ich mit Magda weiter nach Ecuador gefahren, die anderen zurück nach Cajamarca.

2008_11_24 – Jambeli – Machala – Ecuador:

Da Magda ein neues Visum brauchte und die Pässe der Mädels noch nicht wieder aus Lima zurückwaren, bin ich mit ihr nach Ecuador ausgereist um nach 24 Stunden wieder ein 90-Tages-Visum zu bekommen. Ich habe ja mein Jahresvisum. Mit dem Bus sind wir von Chiclayo nach Piura gefahren und haben dorts abends um 11 noch gerade den Bus nach Ecuador erwischt, der schon ab abfahren war. Unterwegs mussten wir dann erst den Ausreisestempel von Peru holen und kurz darauf den Einreisestempel von Ecuador. Um 4 Uhr morgens waren wir in Machala, an der Pazifikküste. Ab ins Hotel ein bisschen schlafen und Als wir um halb 8 wegen dem Lärm nicht mehr schlafen konnten standen wir auf und sind etwas Frühgstücken gegangen. Dann kauften wir das Rückfahretticket für den nächsten Morgen und sind mit dem Bus zum Hafen gefahren. Von dort aus wollten wir mit einem kleinen Boot nach Jambeli fahren, eine Insel mit einem Superstrand. Wir mussten eine knappe Stunde warten, bis das Boot ablegte, und in dieser Zeit kamen Zwei etwa in unserem Alter, bei denen wir auf Engländer oder Deutsche tippten. Hannah und Max waren Deutsche, die in Ecuador ihr FSJ in einem von Nonnen geführten Altersheim machen. Es ist nicht das, was geplant war und da es ihnen nicht so gefällt, sie wollten lieber was mit Kindern machen, brechen sie wahrscheinlich ab, reisen herum oder suchen sich ein neues Projekt. Vielleicht kommen sie auch mal zu uns nach Cajamarca, haben sie gesagt. Emailadressen etc. haben wir ausgetauscht. Den halben Tag verbrachten wir mit ihnen am Strand, wo ich mir tierisch mein Gesicht verbrannt habe. Meine Nase schälte sich später zweimal innerhalb einer Woche. Das Wasser war warm aber es gab kaum Wellen. Am Nachmittag fuhren wir wieder zurück und verabredeten uns für den Abend zum Essen. Magda und ich fuhren ins Hotel und schliefen ein bisschen, viel Schlaf hatten wir ja nicht. Im Restaurant warteten wir eine Weile auf die Beiden und bestellten dann schonmal als sie nicht kamen. Wir waren schon fertig als sie dann ankamen. Bei einem Nachtisch unterhielten wir uns um 9 Uhr verabschiedeten wir uns, Magda und ich waren müde und wollten schlafen gehen. Am nächsten Morgen um 11 fuhr der Bus nach Piura los. Die Stempelaktionen aufs Neue und Magda bekam ihr Visum für 90 Tage. Kleine Schocksituation war als der Bus weiterfuhr als wir gerade ausgestiegen waren um den Ausreisestempel von Ecuador zu holen. Ein Mann, der zu unserem Bus gehörte versicherte uns aber, dass er wieder zurückkommen würde und nur einige Passagiere ein paar Kilometer weiter aussteigen lassen würde. Ansonsten verlief die Fahrt nach Piura reibungslos. Da wir am Tag fuhren sah man auch mal was von der Gegend. Alles ziemlich karg und trocken, zum Teil Wüste. Lange ging es am Meer entlang und um kurz nach 6 Uhr abends waren wir in Piura. Bei Linea, der Busgesellschaft mit der wir nach Chiclayo und Cajamarca fahren wollten sagten sie uns, dass es von Chiclayo nach Cajamarca kein Durchkommen gäbe, da Demonstranten die Straße blockiert hatten. Das passiert ab und zu mal, da die Straße in einem sehr schlechten Zustand ist und sie aber nicht ausgebessert wird. Wir fuhren erstmal bis nach Chiclayo und fragten bei Ricardo, einem Peruaner aus Chiclayo an, den die anderen schon beim letzten Chiclayobesuch beim Surfen kennengelernt hatten, ob er wüsste, wo wir gut unterkommen könnten. Er bot uns an bei sich zu übernachten, was wir dankend annahme. Er holte uns mit seinem Onkel ab und fuhren dann zu ihm nach Hause, wo fast die ganze Familie in einem großen Haus wohnt. Etwa zwei Stunden saßen wir noch zusammen und unterhielten uns. Die anderen waren auch noch ein paar Stunden bei ihm zu Besuch gewesen, bevor sie zurückfuhren. Auf ihrer Rückfahrt hatten ihr Bus noch eine Motorpanne kurz vor Cajamarca, sodass es nur mit einem Ersatzbus weitergehen konnte. Gegen ein Uhr gingen wir zwei dann ins Bett.

2008_11_26 Chiclayo:

Am nächsten Morgen nach einem leckeren Frühstück rief Ricardo für uns bei den Busgesellschaften an, aber die Straße war immer noch nicht frei. Also mussten wir noch eine Nacht in Chiclayo bleiben, wir konnten aber weiter bei Ricardo bleiben. Am Nachmittag fahren wir mit Ricardos Cousine und seinem Cousin ins Einkaufszentrum, das riesig und wo es einfach alles gibt. Sogar Starbucks, KFC, Pizzahut und deutsches Bier. Flensburger (das es übrigens auch bei uns in Cajamarca gibt) und Erdinger in allen Variationen. Sogar original Hefeweizengläser von Erdinger. Als es dunkel wurde, fuhren wir wieder zurück und kauften unterwegs noch zwei Filme, die wir zuhause anschauen wollten. Wir schafften aber nur einen, da wir zu müde waren. Als ein weiterer Cousin von Ricardo von der Arbeit kommt, sagte er morgen wäre die Straße wieder frei. So konnten wir mit dem Gewissen ins Bett gehen morgen wieder nach Cajamarca zu können. Gleich nach dem Frühstück wollten wir die Tickets kaufen gehen, aber es dauerte bis Mittags bis wir loskamen. Wir kauften die Tickets für 5 Uhr am Nachmittag und waren richtig froh, die Gastfreundschaft Rocardos Familie nicht mehr in Anspruch nehmen zu müssen. Langsam wurde es uns unangenehm, obwohl alle supernett sind. Nachdem wir die Tickets hatten, ging es ins Mueseum des Señor Sipan, ein Incaherrscher, dessen Grab und weiter in der Nähe gefunden wurde. Laut Christa ist es auch eines besten Museen die man sich im Norden Perus anschauen kann. Kurz bevor wir zu Dias fuhren, mit denen es nach Cajamarca zurückging, wurden wir von Ricardo und seinem Onkel zu einem Gespräch gebeten. Sie laberten etwas über Hierba Life, die Firma für die sie arbeiten, und wollten wohl, dass wir unseren Freunden davon erzählen und so neue Kunden gewinnen. So ganz haben wir das nicht verstanden, weil wir auch nicht so wirklich zuhörten. Wir wollten eigentlich nur los zum Bus. Zwei Cousins von Ricardo fuhren auch nach Cajamarca zu Verwandten. Ein Grund warum wir auch endlich zurückwollten, war der, dass Magda und ich schon seit einem Tag ziemliche Magenbeschwerden hatten mit Durchfall, ekligem Aufstoßen und allem Drum und Dran. Wir haben es auf das Essen geschoben, da wir ja beide das gleiche gegessen haben. Um 2 Uhr nachts war ich endlich wieder auf dem Porongo angekommen.

2008_11_29 Jubiläum von Jesús und Einweihung des Gesundheitszentrums:

Ein Samstag, an dem Adrian und ich arbeiten mussten. Anlässlich einen politischen Jubiläums marschierten alle möglichen Gruppen aus Jesús auf dem Plaza de Armas von Jesús. Insgesamt vielleicht nur 200 Meter vor einer Bühne auf dem die ganzen offiziellen Personen saßen. Auch wir waren mit unseren Kids am Start und hinter uns dann die Frauengruppe mit Christa, die die Schule finanziell unterstützen. Als wir durchmarschiert waren, war es eigentlich für uns schon vorbei. Adrian fuhr auch mit Christa dann wieder zurück aber ich blieb bis Sonntagnachmittag mit Chela, ihrer Schwester und ihrer Cousine in Jesús. Ich fotografierte und filmte die anderen Gruppen, die noch marschierten und als alle unsere Kids abgeholt wurden, gingen wir zum neuen Gesundheitszentrum, das heute eingeweiht wurde. Als der teil auch rum war und wir uns kurz alles angeschaut hatten, sind wir eine Ceviche essen gegangen. Das geht in die Richtung Sushi, ist aber um Welten besser. Es gibt Ceviche mit Meeresfrüchten oder mit Fisch. Da wir in einer Forellenzucht essen waren, gab es natürlich Ceviche de Trucha. Roher Fisch mit viel Zitronensaft und ich glaube auch ein wenig Essig. Die Säure bewirkt, dass der rohe Fisch besser verdaut werden kann, ist also besser als Sushi, wo man den rohen Fisch einfach so isst. Hinterher sind wir zu einer Tante von Chela gegangen. Ein Cousin mit Frau und kleinem Kind aus Barcelona war auch da. Den Mittag blieben wir bei ihnen und abends gingen wir zurück zum Plaza, wo das Fest mit Lifemusik und Tanz weiterging. Leider war mein Cameraakku schon mittags leer und ich hatte kein Ladegerät dabei. Wir schliefen bei der Tante und am nächsten Mittag wollten wir uns einen Stierkampf anschauen. Hier werden die Stiere anders als in Spanien nicht getötet. Es fing aber heftig an zu regnen und wir sind zurück zu der Tante und ich ging dann bald wieder zurück nach Cajamarca. Die Eltern von Chelas Cousine sind gekommen und sie fuhren später wieder zurück.

2008_12_01 Eröffnung der Ausstellung mit Basar im Los Jazmines:

Eine Woche lang gab es einen Basar im Hostal Los Jazmines, das auch zur Asociación Santa Dorotea gehört, deren Direktorin Christa ist und zu der die Schule und das Heim gehören. Auf dem Basar wurden Weihnachtsbasteleien der Schüler, Lebkuchen und Lebkuchenhäuser verkauft. Zusätzlich gab es eine Puppenausstellung „Der Märchenwald“, in der Puppen von Christa in Märchenszenen aufgestellt waren. Es gab auch ein Quiz. Wer alle Märchen erraten konnte, hatte die Chance ein Lebkuchenhaus zu gewinnen. Die Teilnahme kostete einen Sol, der Eintritt war frei. Wir Freiwilligen verkauften Waffeln und Glühwein.

2008_12_02 Besuch der Ausstellung mit den Kindern aus Jesús:

An diesem Vormittag saßen wir eigentlich nur im Bus. Die halbstündige Fahrt nach Jesús, kurz die Kinder eingeladen und schon ging es wieder zurück nach Cajamarca. Wir schauten uns die Puppenausstellung an und Christa erzählte den Kindern was zu den Märchen. Nach einer halben Stunde etwa fuhren wir wieder zurück. Der Schulbus, mit dem wir unterwegs waren, konnte leider nicht auf uns warten und wir mussten mit dem Kombi zurückfahren.

2008_12_08 Besichtigung der Ausstellung mit Heimkindern:

Es war Montag, Feiertag und wir mussten eigentlich nicht arbeiten. Die Ausstellung war auch eigentlich schon rum, aber Christa hat sie noch stehen gelassen. Donnerstags schon wollten wir mit Heimkinder die Ausstellung anschauen, aber sie durften nicht, da eine Frau erwartet wurde, die neue Decken bringen wollte. Am Freitag durften sie auch nicht, da man die Frau für heute erwartete, da sie tags zuvor nicht gekommen ist. Sie kam auch an diesem Tag nicht und war bis Weihnachten noch nicht da. Deshalb wollten wir an diesem Montag gehen. Christa hatte es abgeklärt und es war alles okay. Dachten wir. Als ich ankam um mit den Kids in der Heimcamioneta nach Cajamarca zu fahren waren keine der Madres mit dem Schlüssel da, sie waren alle irgendwo in Cajamarca, den Feiertag begehen. Und die Arbeiterinnen hatten den Schlüssel nicht. Also entschlossen wir uns kurzerhand mit taxi und Combi zu fahren. Genug Geld hatten wir alle dabei. Den Kids hat es riesigen Spaß gemacht und die Krönung war das Eis, das Christa allen auf dem Plaza de Armas spendierte.

2008_12_12 Promoción von Liset:

Liset hat fast 10 Jahre im Heim gelebt und wurde von Mari, einer sehr netten Arbeiterin aus dem Heim adoptiert. Sie kam mit Kiefer-Gaumen-Spalte zu Welt, wurde aber operiert und man kann sie gut verstehen, wenn sie spricht. Sie ging auf eine normale Schule und fängt Ende Januar in Lima an Medizin zu studieren. Sie hat mich gefragt, ob ich sie zu ihrem Abschlussball begleite und ich wollte auch gerne mal sehen, wie das hier ist. Die Schule dauert hier nicht so lange wie bei uns, die Absolventen waren alle so 16 17 Jahre alt. Es fing damit an, dass alle Absolventen und ihre Partner mit Namen aufgerufen wurden. Wir gingen eine Treppe in den Saal hinunter, wo wir kurz für ein Foto stehen blieben. Dann wurden künstliche Orchideen ausgetauscht. Ich streifte ihr eine über ihr linkes Handgelenk und sie steckte mir eine ans Jacket. Dann drehten wir eine Runde durch den Saal und warteten, bis die anderen auch durch waren. Dann gab es Sekt, ein paar Ansprachen, es wurde angestoßen und dann gab es den ersten Tanz, etwas in der Richtung Walzer, aber irgendwie ohne bestimmte Schrittfolge, einfach nur sich langsam im Kreis drehen. Dann wurden die Absolventen aufgefordert, mit ihren Eltern zu Tanzen. Schließlich legte ein DJ auf bis es das Abendessen gab. Hinterher wurde weitergetanzt. Es war superamüsant, gegen 2 Uhr war ich wieder auf dem Hof.

2008_12_14 Yumahual mit Christas Auto:

Zwei Freundinnen von Lina, die in Lima arbeiten, sind zu Besuch gekommen, und mit den dreien sind Adrian und ich in Christas Auto nach Yumahual zu der heißen Quelle gefahren. Wir saßen kaum im warmen Wasser als es anfing zu regnen. Als es stärker regnete sind wir in das alte Hotel geflüchtet, haben uns angezogen und sind wieder zurückgefahren. Um drei waren wir wieder auf dem Hof, war aber eine abenteuerliche Fahrt, da wir nicht wussten, ob der Weg vom Hotel zur Straße noch nicht zu schlammig war und wir den Hang noch hochkommen würden. Dazu kam noch, dass wir eine Strecke lang ein paar Schafe und Esel vor uns hatten, und zwei Hunde dauernd bellend vor dem Auto herumrannten und Glück hatten, dass sie nicht von uns überfahren wurden. Wir haben es aber gut geschafft. Auf der Hinfahrt wurde ich das erste Mal kontrolliert und hatte nur meinen Führerschein dabei aber keine Fahrzeugpapiere. Glücklicherweise wollte der Polizist die aber gar nicht sehen.

2008_12_18 Weihnachtsfeier von Yanacocha für die Kinder:

Im Vertrag von gutverdienenden Minenarbeitern steht, dass sie einmal im Jahr etwas Wohltätiges machen müssen. Dieses Jahr veranstalteten sie eine große Chocolatada in Jesús. Neben unseren 15 Kids waren nochmal 30-40 Kinder aus Jesús eingeladen. Eine Chocolatada ist ein typisches Fest, das für Kinder zu Weihnachten veranstaltet wird. Basis ist die heiße Schokolade und der Teller voller Panetón, so etwas wie Christstollen ohne Marzipan und größer, und Keksen. Dann gab es aber noch ein Unterhaltungsprogramm für die Kids. Zwei Mädels verkleideten sich als Wichtel und Tigger und spielten und tanzten mit den Kindern. Tigger zog sich dann um als Weihnachtsmann und für jedes Kind gab es ein Auto bzw. eine Puppe. Für die Schule gab es Bälle, einen Computer mit allem Drum und Dran, Tische, Stühle und Schreibsachen. Echt krass was da an Geld dahinter stand. Auch der Panetón war einer der teuren und die Schokolade wurde zum Teil auch mit Milch gemacht und nicht wir sonst üblich nur mit dem billigeren Wasser. War echt superbeeindruckend.

2008_12_19 Chocolatada in Jesús:

Das Restaurant mit der Forellenzucht hatte die Kinder zu einer Chocolatada eingeladen. Es gab für jeden eine halbe Forelle und den üblichen Teller Panetón und die heiße Schoko. Man schmeckte den Unterschied zu der Yanacocha-Chocolatada aber es war trotzdem lecker und die Kids freuten sich. Jeder bekam – wieder – ein Auto bzw. eine Puppe und wir gingen wieder zurück. Das Strahlen, das die Kids beim Auspacken ihrer Geschenke haben ist echt toll. Für die ärmere Bevölkerungsschicht, zu denen die Kids auch gehören, ist Weihnachten in der Regel ein Tag wie jeder andere und Geschenke gibt es keine.

2008_12_20 Promoción von Gladys:

Schon kurz nachdem ich angefangen hatte in Jesús zu arbeiten wurde ich von Melva gefragt, ob ich ihre Nichte zu ihrem Abschlussball Ende Dezember begleiten wollte. Ich habe damals zugesagt und musste deshalb erneut auf eine Promo. Ich hatte eigentlich keine große Lust mehr und ich fand die Promo auch nicht so gut wie die von Liset. Erstmal habe ich eineinhalb Stunden warten müssen, bis sich mich abgeholt hat und dann nochmal eine Weile im Auto bis sie sich umgezogen hatte. Wir kamen gerade rechtzeitig zum Einmarsch und es brauchte eine Weile bis bei mir richtig Stimmung aufkam. Die Leute waren auch nicht so nett, wie die Freunde von Liset. Dann kam ich auch erst um 5 Uhr wieder nach Hause und musste dort feststelle, dass mein Gaumenzäpfchen auf mindestens das Doppelte angeschwollen war und das der Grund für die Halsschmerzen war, die ich den ganzen Tag schon hatte. Zum Glück war es nichts ernstes und es schwoll ich den nächsten beiden Tagen wieder ab und mein enzündeter Hals beruhigte sich auch wieder.

2008_12_22 Telefonica-Chocolatada in Jesús mit Adrians Eltern:

An diesem Montagmorgen vor Weinachten kamen Adrians Eltern in Cajamarca an. Vom Flughafen fuhren wir über den Plaza de Armas zum Los Jazmines, wo sie die Tage wohnen würden. Dann ging es weiter nach Jesús, wo wir ihnen zeigten wo wir arbeiten. Die Telefongesellschaft Telefonica veranstaltete heute eine Chocolatada. Wir blieben aber nicht bis zum Ende, sonder gingen eine Forelle essen. Am Nachmittag besuchten wir das Kinderheim, liefen durch das Bonzenviertel in Ba <!– @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } –>ños del Inca und gingen dann noch zum Porongo. Abends dann noch eine leckere Pizza essen und anschließend ohne seine Eltern zu Magda unsere Reise weiterplanen.

2008_12_24 Weihnachten bei Christa:

Mit allen Freiwilligen bis auf Katrin und Christina, die schon seit dem Wochenende auf Reisen sind, mit Adrians Eltern, der Schwester von Jenny, und Luis, einem Peruaner, der ein soziales Jahr in Deutschland gemacht hat, feierten wir mit Christa und Santiago Weihachten. Es gab erst Kaffee, Kuchen und Plätzchen. Danach schauten wir einen schönen schwedischen Film an. Zum Abendessen gab es Kartoffelsalat, nicht den schwäbischen sondern den mit Mayo, Ei und ein bisschen Gemüse. Dazu eine Wurst und Wein. Anschließend wichtelten wir die Geschenke und gingen dann in die Kathedrale zum Weihnachtsgottesdienst. Anschließend nochmal zu Christa, wo wir um 12 Uhr auf den Geburtstag unserer Köchin Maria-Jesús anstießen.

2008_12_31 Silvester in Sonoviso und Santa Apolonia:

Wir Freiwilligen, die noch nicht weggefahren sind, feierten Silvester in Sonoviso, der Freiwilligen-WG. Thomas und Tamina kochten als Überraschungsabendessen einen Käseauflauf mit Nudeln. Echt mehr Käse als Nudeln aber superlecker. Dazu gab es Schlammbowle und Käsespiese. Um kurz vor zwölf gingen wir zu Santa Aplononia, von wo man einen schönen Blick über Cajamarca hatten. Wir trafen uns um kurz vor eins mit zweo Peruanern und sind zusammen noch in eine Bar tanzen und feiern gegangen. Ein paar Stunden später zurück im Sonoviso gab es noch eine heiße Schokolade und wir schauten Dinner for One und der Weihnachtspunsch von Ein Herz Und Eine Seele. Es war schon hell, als ich ein Taxi nahm und endlich in mein Bett kam.

In ein paar Stunden geht dann mein Bus nach Lima. Von da aus geht es weiter in die Salzwüste bei La Paz in Bolivien. Dann wieder zurück nach Lima, wo wir Linas Freund am Flughafen abholen. Dann fahren Magda und ich über Pisco, Ica, Arrequipa und Puna nach Cuzco. Mit den 4 Freiwilligen dort geht es am 27. wieder nach Lima zum Seminar und anschließend wieder nach Cajamarca. Nach ein paar Tagen fahren wir nach Iquitos in den Urwald und kommen zum Carneval am 21. Februar wieder nach Cajamarca.

Neue Bilder und Berichte gibt es dann erst wieder Anfang Februar.

Viele Grüße und einen guten Start ins neue Jahr!!

Tim

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