Es ist Freitag, der 13te März. Heute sollen wir mit zwei angehenden Zahnärztinnen, Sofia und Stefanie aus Würzburg, nach Asuncion, eine kleine Stadt 65km bzw. 2,5h Autofahrt von Cajamarca entfernt, fahren. Dort wollen sie 3 Tage lang kostenlos behandeln im Zuge ihrer Famulatur, für die sie für 6 Wochen nach Perú gekommen sind. Am Vormittag beladen wir die Camioneta (Pickup) mit der Ausrüstung und unserem Gepäck für das Wochenende und nach dem Mittagessen geht es los, obwohl wir wissen, dass ein Erdrutsch in der Nacht die Straße versperrt hat. Aber wir hoffen, dass die Straße mittlerweile geräumt ist, wenn wir an der Stelle ankommen.
Nach einer knappen Stunde erreichen wir die Autoschlange vor San Juan, die sich durch die versperrte Straße angestaut hat. Zu Fuß laufen wir noch ein Stück die Straße hinunter um zu sehen wie weit die Aufräumarbeiten sind und ob es schon bald weiter geht. Wir sehen aber, dass eine riesige Schlammlawine drei Straßenabschnitte der langezogenen Serpentine verschüttet hat und die Radlader wohl noch lange brauchen würden. Von unserem Aussichtspunkt können wir ein Straßenschild erkennen, das gerade noch aus dem Schlamm ragt. Von unten dringen die Motorgeräusche und das Rauschen von Schlammwellen herauf, die vom Radlader den Hang hinuntergeschüttet werden. Deshalb entschließen wir uns zurückzufahren und am nächsten Morgen früh einen neuen Versuch zu wagen. Am Abend erfahren wir, dass die Straße wieder frei ist und die Busse aus Lima bereits in Cajamarca angekommen sind.
Um 7 Uhr machen wir uns erneut auf den Weg und diesmal erreichen wir unser Ziel. In San Juan müssen wir durch die Arbeiten noch kurz warten aber ansonsten kommen wir ohne Probleme bis nach Asuncion. Unterwegs fahren wir an zahlreichen abgerutschen Hangstücken vorbei, die Straße ist aber immer schon freigeräumt. Durch die Regenzeit weicht die Erde auf den Hängen auf und rutscht in günstigen Fällen gerade ein bisschen auf die Straße aber es kommt regelmäßig auch zu so großen Schlammlawinen, die die Straßen zum Teil unter ein zwei Meter Schlamm und Geröll begraben.
In Asuncion tragen wir ersteinmal das Equipment ins Rathaus, wo wir die nächsten drei Tage mit den Zahnärztinnen zusammenarbeiten. Wir bauen alles auf, beziehen unsere Zimmer und fangen vor dem Mittagessen schon mit dem Behandeln an und setzen die Arbeit später bis zum Abend fort. Zwischendurch bringe ich unser Gepäck in ein anderes Haus, da es in unseren Zimmern keinen Strom und deswegen weder Licht noch warmes Wasser gibt. Die Zahnärztinnen wechseln sich immer wieder ab, da die Leute nur zum Zähneziehen und zur Kariesbehandlung gekommen sind. Bei einigen wenigen gibt es auch noch Zahnstein zu entfernen. Adrian assistiert bei den Füllungen und Tim beim Zähneziehen. Wir reichen ihnen die Instrumente und Tupfer, richten das Füllungsmaterial und die Spritzen mit dem Betäubungsmittel und desinfizieren Spuktrichter und Instrumente nach deren Benutzung. Wir lernen in den paar Tagen viel über die Hintergründe des Zähneziehens, Bohrens und der Zahnerkrankungen und werden schnell ein eingespieltes Team. Dass die beiden Mädels super nett sind, macht es uns nur noch leichter.
Am Sonntag fangen wir schon früh um halb neun an. Um halb eins nimmt Sophia noch ein Mädchen dran um ihr einen Zahn zu ziehen und danach wollen wir Mittagessen gehen. Bis der Zahn aber komplett draußen ist vergehen zweieinhalb Stunden und es wird 16 Uhr bis wir weitermachen. Das Mädchen ist aber nicht die Einzige, bei der es so lange dauert. Den ganzen Vormittag kommen wir mit dem Zähneziehen nicht voran, erst nach dem Essen kommen Patienten mit „leichteren“ Zähnen dran. Als der Arbeitstag vorbei ist haben wir 12 Stunden gearbeitet und fallen hundemüde ins Bett. An Kartenspielen oder irgendwo noch etwas trinken gehen und sich unterhalten ist nicht mehr zu denken.
Als wir am Montagnacht um 12 Uhr mit der letzten Patientin behandelt haben, sind wir 17 Stunden auf den Beinen gewesen und haben seit Samstagvormittag etwa 70 bis 80 Patienten helfen können. Viel mehr als sie woanderst in der gleichen Zeit behandeln konnten, sagen die beiden und sind richtig froh, dass wir beide dabei waren und ihnen helfen konnten. Leider konnten sie trotzdem nicht allen Patienten helfen. Auch am Dienstagmorgen beim Aufräumen kommt noch ein Mann, der nicht gewusst hatte, das wir hergekommen sind und er war sicherlich nicht der einzige.
Für die Leute aus Asuncion sind wir ein riesen Ereignis, zum Teil stehen 15 wartende Patienten oder mehr um den Stuhl herum und schauen interessiert zu wie der Karies herausgebohrt wird und die Füllung in den Zahn kommt beziehungsweise wie Zähne aus dem Knochen gehebelt und gezogen werden.. Auch sonst herrscht nicht die Wartezimmerstimmung, wie wir sie aus Deutschland kennen. Die Frauen spinnen Wolle, stillen ihre Kinder und es wird viel gelacht und sich unterhalten. Sehr gerne amüsieren sie sich auch über Verständigungsprobleme, die immer wieder auftreten. Sei es durch die tauben Zungen der Patienten oder Missverständisse bei den Unterhaltungen mit ihnen.
Gerne wären wir noch einen Tag länger geblieben aber wir müssen wieder zurück nach Cajamarca fahren, wo wir pünktlich zum Mittagessen ankommen.
Uns hat das Wochenende viel Spaß gemacht und es war eine willkommene Abwechslung in unserem Alltag. Vielleicht kommen im August, wenn wieder Semesterferien sind, andere angehende Zahnärzte, mit denen wir losziehen können.